Zucht-Gedanken

Wird der Appenzeller Sennenhund zum Modehund ?

Als vor 10 Jahren feststand, ich bekomme einen Appenzeller Sennenhund, habe ich mich intensiv mit dieser Rasse beschäftigt. Jedes Jahr die Wurfstatistiken aus Deutschland, Schweiz, Österreich und den Benelux-Ländern studiert.

Seit dem Jahr 2007 ist mir aufgefallen, dass es mehr Würfe gibt und die Nachfrage nach Apppenzeller Sennenhunden offensichtlich gestiegen ist. In den Vorjahren gab es immer mal wieder bei den Züchtern Schwierigkeiten, die Welpen, wegen mangelnder Nachfrage, weg zu bekommen.

Besonders fällt auf, dass die Nachfrage nach havannabraunen Appenzeller stieg.

Erst im Jahr 1985 wurde in der Schweiz der Rassestandard dahingehend geändert. dass auch havannabraune Appenzeller Sennenhunde mit aufgenommen wurden.

Es wurden in der Schweiz immer mal wieder braune Appenzeller geboren, aber bis 1975 wurden diese Hunde in der Schweiz so gut wie nie aufgezogen, vielmehr getötet oder ohne Papiere verkauft.

Nun geht der Trend, vor allem bei Neuzüchtern, zu diesen havannabraunen Appenzeller Sennenhunden.  Dabei gibt es nur ganz wenige Vertreter, die auch tatsächlich ein echtes Havannabraun  haben. Bei den   havannabraunen Hunden ist in der Regel die Augenfarbe äusserst hell, häufig sogar hell bernsteinfarben, obschon sie ein dunkles Auge haben sollten.

Im Januar 2008 habe ich mich einmal damit beschäftigt heraus zu finden, wer und wie viele Menschen es gibt , die ohne  ”  Papiere  ” sprich ohne FCI/ Rassehundezuchtverein Appenzeller Sennenhund züchten. Ich   habe mich in Europa umgeschaut und tatsächlich 50 dieser Schwarzvermehrer gefunden. Ich lege meine Hand ins Feuer, dass es gut und gerne mindestens noch mal so viele gibt. 

Die meisten dieser angeblichen Züchter betreiben dieses  ”  Geschäft  ” schon jahrelang und es gibt sogar ehemalige SSV und SKG Züchter darunter, die sich einfach nicht mehr durch die Zuchtordnung reglementieren lassen wollen. 

Will man nun von diesen  ” Schwarzüchtern ” eine Auskunft über die Rasse haben, so kann man dies kaum Informationen nennen!

Also, wie heisst es: AUGEN AUF BEIM HUNDEKAUF

Ausserdem wollte ich die Anzahl Hunde, die in den Tierheimen sassen, oder abgegeben werden sollten, weil ihren ursprünglichen Besitzern lästig geworden,oder sich Probleme aufgetan hatten, herausfinden.

Hierzu ist eine Anzahl zu nennen sehr schwierig. 3 mit FCI Papieren und das vierfache aus sogenannten Schwarzzuchten.

Die Mitarbeiter der Tierheime die ich anrief konnten meistens nicht sagen,ob es rassenreine Hunde waren, aber eine häufige Auskunft war:  ” diese Appenzeller seien Problemhunde

Besonders fiel mir bei Erstbesitzern von Appenzeller Sennenhündinnen auf, dass, kaum war der Hund im neuen Zuhause, man schon Zuchtabsicht äusserte.

Sicher, es wird immer wieder Neuzüchter geben, denn irgendwann setzen sich die  ” Alten ” ja auch mal zur Ruhe, aber so spontan eine Zuchtabsicht zu haben ist nicht der richtige Weg um Hundzüchter zu werden.

Z.B.ist es im Schweizer Sennenhund Verein in Deutschland Voraussetzung, folgende Auflagen zu erfüllen, aber damit ist man dann noch längst kein Hundezüchter.

1.  Hund muss zwei Ausstellungen besucht haben

2.  Hund muss HD geröngt sein

3.  Hund muss zu einer Körung oder auch Zuchttauglichkeitsprüfung

4.  Hundehalter muss ein Züchterseminar besucht haben, und alle 3 Jahre wiederholen.

Die meisten, besonders Neuzüchter halten sich auch an Vorgaben des Arbeitskreis Appenzeller Sennenhunde im SSV, aber diese Arbeitskreismitglieder haben lediglich ein Empfehlungsrecht, mehr nicht.

Viele Züchter verpaaren nur nach den Zahlen aus dem Dogbase, Zahlen also aus der Zuchtwertschätzung. Dabei gibt der Zuchtwert nur Angaben für HD, ED (auch nur auf freiwilliger Basis) und Typ her.

Was macht es aber für einen Sinn, z.B. nur nach dem HD ZW zu verpaaren, aber alle anderen Merkmale, wie z.B. Ruten-Ohrenhaltung, um nur zwei zu nennen, ausser acht zu lassen. Was bringt es einem dann, wenn nun beide Paarungspartner eine offene Rute, oder eine unkorrekte Ohrenhaltung haben, dafür aber der ZW HD dann ach so niedrig ist.

Ein Hund besteht aus mehr als nur einem HD Zuchtwert, ODER ?

Die wenigsten Züchter gehen zu mehr als den vorgeschriebenen Ausstellungen, die man für die Körung braucht. Hier müssten sie sich mal die Mühe machen um nach geeigneten Paarungspartner zu suchen. Wie oft kommt es vor, dass Hündinnenbesitzer gleich den Rüden ” um die Ecke ” nehmen, bloss keine unnötigen Kosten verursachen, um möglichst viel Profit aus der Abgabe der Welpen schlagen zu können.

Dann gibt es noch die Züchter, deren Hunde werden nur für einen Wurf angekört und dann dazu mit der Auflage der Nachzuchtkontrolle.

Sicherlich ärgerlich für die Besitzer, aber die Frage, die sich mir da aufdrängt ist, muss man tatsächlich diesen einen Wurf, der vielleicht nicht vielversprechend wird, dann auch noch in die Welt setzen?

Ich komme zu dem Schluss, ganz oft fehlt die Erfahrung und genetische Sachkenntnis, um z.B. einen geeigneten Deckrüden auszuwählen. Klar, man steckt nie drin, aber haben wir nicht schon genug  ” untypische ” Appenzeller Sennenhunde?

Sollte man die nicht erst noch mehr Erfahrung sammeln und sich später, vielleicht mit einer zweiten Hündin, dann erst das Züchten in Angriff nehmen?

 06.06.2008   Martina Wagner